Donnerstag, 17. März 2016

Der Flow – oder: Das Glück des Gärtners


Wer selbst für das Gärtnern nichts übrig hat, wird es nie verstehen: Wie jemand sich freiwillig so viel Arbeit aufhalsen und dabei auch noch glücklich sein kann. Er hat ihn vielleicht noch nie erlebt, den Flow. Weder im Garten noch anderswo.

 

Der Erfinder des Flow-Phänomens Mihaly Csikszentmihalyi beschreibt den Flow als ein Gefühl, in einer Aufgabe völlig aufzugehen. Die Tätigkeit oder Erfahrung versetzt den Menschen in eine Art Rauschzustand, Wollen, Denken und Fühlen werden einzig und allein von der Tätigkeit bestimmt, alles andere wird ausgeblendet. Dieses Glücksgefühl, den Flow, zu erreichen, hat absolute Priorität, egal zu welchem Preis.

 

Ich brauche im Garten ungefähr eine halbe Stunde, bis ich in den Flow gerate – unabhängig davon, ob ich vorher motiviert war oder nicht. Mit der Bewegung draußen, dem Licht und Erdkontakt kommen die Gedanken in Fluss, sie kommen und gehen, bald völlig unbemerkt, und die Arbeit geht ganz allein von der Hand. Alles andere wird unwichtig und ausgeblendet. Hunger, Durst, Hitze, Kälte, Regen, Schmerzen, ja selbst ein angebrochener Fuß verlieren völlig an Bedeutung, wenn ich eins mit dem Garten werde. Und dabei spielt es keine Rolle, ob ich in meinem eigenen Garten werkele oder in einem anderen. Die Hauptsache ist nur, dass ich ungestört bin. Habe ich Gesellschaft, sei es durch Familienmitglieder oder mitgärtnernde Kundinnen, dann wird es nichts mit dem Flow.

 

Der Flow im Garten ist eine Droge, die zwar glücklich macht, aber ganz ohne negative Nebenwirkungen. Einmal drin, verfliegt Stunde um Stunde, ohne dass ich es merke. Und ich empfinde fast so etwas wie Trauer, wenn ich meine Arbeit beenden muss, weil andere Verpflichtungen rufen. Doch ich kann mich damit trösten, dass ich den Flow immer wieder erreichen kann, denn ein Garten ist bekanntlich niemals fertig – zum Glück!

 

 

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